Das gute Geschirr
Wenn das besondere Porzellan endlich auf den Tisch kommt, kann es ganz schön überraschend werden.
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„Heute nehmen wir das gute Geschirr.“
Helga sagte es so beiläufig, dass ihre Tochter zunächst gar nicht reagierte. Erst als sie den Wohnzimmerschrank öffnete und die weißen Porzellanteller mit dem feinen Goldrand herausholte, drehte Sabine sich um.
„Das gute? Einfach so?“
„Nein. Zum Essen.“
Helga stellte sechs Teller auf den Tisch. Jahrzehntelang hatte das Geschirr auf Geburtstage, Weihnachten und andere besondere Gelegenheiten gewartet. Meistens war dann doch das Alltagsgeschirr auf den Tisch gekommen. Sicherer war sicherer.
Beim Ausräumen entdeckte Sabine eine kleine Porzellanschale mit zwei Griffen.
„Wofür ist die eigentlich?“
Helga betrachtete sie.
„Für Kompott.“
„Das ist eine Sauciere“, sagte Thomas.
„Eine Sauciere hat einen Ausguss.“
Thomas drehte die Schale um, als könnte die Unterseite die Sache klären.
„Dann für Gemüse.“
„Mit zwei Griffen?“
Lisa mischte sich ein. „Vielleicht für Zucker.“
Drei Köpfe drehten sich zu ihr.
„Was denn? Ich mache nur mit.“
Helga holte ein weiteres Teil aus dem Schrank. Klein, rund, mit Deckel.
„Das ist die Zuckerdose.“
„Bist du sicher?“, fragte Thomas.
Helga sah ihn an. „Nein. Aber ich wohne hier. Deshalb gilt meine Antwort.“
Beim Essen stand die rätselhafte Schale mitten auf dem Tisch. Helga hatte kurzerhand die Kartoffeln hineingefüllt. Dafür eignete sie sich jedenfalls bestens.
Später waren Fingerabdrücke auf dem Goldrand zu sehen. In einer Tasse stand noch ein Rest Kaffee, auf einem Teller lagen Kuchenkrümel. Sabine begann vorsichtig abzuräumen.
Helga nahm ihr die Teller aus der Hand.
„Lass nur. Die kommen in die Spülmaschine. Das haben sie beim letzten Mal auch überlebt.“
Thomas starrte sie an.
„Das gute Geschirr?“
Helga nickte.
„Einfach so?“
„Nein. Nach dem Essen.“
